(1:1-2) Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gegeben hat, um seinen Knechten zu zeigen, was rasch geschehen soll; und er hat sie bekanntgemacht und durch seinen Engel seinem Knecht Johannes gesandt,der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugt hat und alles, was er sah.

Die Offenbarung stammt von Gott. Sie wurde Jesus Christus gegeben, dieser gab sie Johannes durch einen Engel. Die eigentlichen Empfänger aber sind

die »Knechte Christi« auf Erden. Das meint alle jene, die Christus im Glaubensgehorsam nachfolgen. Johannes empfängt diese Offenbarung als einer der das Zeugnis Christi (sein Leben) gesehen und selbst als Augenzeuge verkündigt hat. Aus seiner Feder stammt das wunderbare Johannesevangelium, das er als Ergänzung zu den drei bereits vorhandenen geschrieben hatte. Zu dieser Zeit aber war er der letzte noch lebende Apostel.

Der Inhalt der Botschaft ist ein Geheimnis das »rasch« (binnen Kurzem) geschehen soll. Wir werden noch sehen, was das bedeutet. »Offenbarung« (Apokalypsis) müsste eigentlich mit »Enthüllung« übersetzt werden. Heute ist das Wort Apokalypse zu einem Synonym für Katastrophen geworden, damals aber war es nicht so, sondern meinte folgendes: die Zukunft ist normalerweise nicht sichtbar sondern »verhüllt«. Dahinter steht der Gedanke, dass sich Geschichte in gewisser Weise aufdeckt. Das heißt, die Ereignisse sind prädestiniert und warten auf ihre Enthüllung. Die Vergangenheit ist enthüllt, sie kann studiert werden. Die Zukunft aber ist es prinzipiell nicht.

Wir würden aber gerne wissen, was auf uns zukommt und wie sich das Weltziel verwirklichen soll. Weil das auch bis zu einem gewissen Grad vernünftig ist, gibt Gott uns eine Vorstellung von der Zukunft. Er enthüllt sie in der Offenbarung so weit, dass wir eine Orientierung haben. Freilich ist diese sehr beschränkt auf große Grundzüge einer geistlichen Auseinandersetzung, die wir im Verlauf der Geschichte schon kennen gelernt und die wir in der Bibel der Vergangenheit nach dokumentiert haben.

In diesem Sinne sei auch klargestellt, dass biblische Prophetie nichts mit Wahrsagerei zu tun hat. Sie kann nicht dazu verwendet werden, um allfällig einem Schicksal zu entrinnen. Kein Mensch kann bestimmen, in welcher Zeit er lebt. Dennoch kann das Wissen um zukünftige Dinge uns auf jeden Fall vor geistlichem Schaden bewahren, indem es uns vor der Verzweiflung errettet und uns zum Durchhalten anregt. Denn was immer auch geschieht, der Nachfolger Christi ist in Gottes Hand und wird mit Jesus Christus den Sieg erringen. Denn wir wissen, dass wir gerettet sind, wenn wir auf das Werk unseres Herrn Jesus Christus vertrauen.

Darüber hinaus aber geht es in der Apokalypse aber nicht nur um unsere individuelle Errettung, sondern um nichts weniger als um die Vollendung der Menschheit. Die Geschichte die mit Paradies und Sündenfall beginnt, kommt zu einem Abschluss an dessen Ende eine überaus prächtige Herrlichkeit steht, in der wir Menschen in ungetrübter Gemeinschaft mit dem Unendlichen leben werden. Das Ziel ist nichts weniger als das neue Jerusalem, »die Hütte Gottes unter den Menschen« (21:3).