(7:13-17) Und einer von den Ältesten ergriff das Wort und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit weißen Kleidern bekleidet sind, und woher sind sie gekommen? Und ich sprach zu ihm: Herr, du weißt es! Und er sprach zu mir: Das sind die, welche aus der großen Drangsal kommen; und sie haben ihre Kleider gewaschen, und sie haben ihre Kleider weiß gemacht in dem Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt aufschlagen über ihnen. Und sie werden nicht mehr hungern und nicht mehr dürsten; auch wird sie die Sonne nicht treffen noch irgend eine Hitze; denn das Lamm, das inmitten des Thrones ist, wird sie weiden und sie leiten zu lebendigen Wasserquellen, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.

Das ist nun die spannende Frage, wer sind diese Menschen vor dem Thron und wie sind sie dahin gekommen? Die erste Frage wird uns beantwortet: die Menschen sind aus der Drangsal gekommen. Welche Drangsal aber mag damit gemeint sein?

 

Zwar muss nicht jeder Christ um seines Glaubens willen physisch leiden oder Hunger, Durst und Hitze ertragen. Doch jeder Christ lebt in einer Zeit, in der es ihn potentiell treffen kann und wenn er wirklich widergeboren ist, dann kann ihm auch das Leid seiner Glaubensgeschwister nicht egal sein und er leidet zumindest psychisch mit. Seit Pfingsten ist nämlich die Gemeinde in Bedrängnis und war es immer durch alle Jahrhunderte hindurch. Äußere und innere Feinde, falsche Brüder und Schwestern und offene antichristliche Kräfte haben Menschen bedrängt, die ihre Kleider im Blut des Lammes weiß gemacht haben. Das Zeitalter der Gemeinde war also auch ein Zeitalter der Drangsal, niemand wird das bestreiten können, der die Geschichte der letzten zweitausend Jahre kennt. Insofern handelt es sich hier nicht nur um Märtyrer, wie beim fünften Siegel, als diese unter dem Altar verwahrt zu Gott schrien und um ein Ende dieser Zeit baten, sondern diese unzählbare Schar stellt die Gesamtheit der Erlösten aus den Heidenvölkern dar, die ganze Ernte, wie sie in den Jahrhunderten seit Pfingsten eingebracht worden ist.

Nun ist es offensichtlich geschehen: die Verheißung an die Märtyrer unter dem Altar, dass es nur noch eine kleine Weile dauert, bis die Brüder vollendet sind, ist in Erfüllung gegangen (6:11).

Doch wie ist diese Gemeinde vor den Thron Gottes gekommen? Es ist kaum eine andere Möglichkeit vorstellbar, als die Entrückung, von der Paulus gesprochen hat und auch Jesus in seiner Endzeitrede. Auch im Sendschreiben an die Gemeinde in Philadelphia ist ja vermerkt worden, dass jene, die das Wort vom »Ausharren auf Christus« bewahrt haben, vor der Versuchung bewahrt werden die über den ganzen Erdkreis kommt.

So finden wir nun hier, zwar erst nach den vier Apokalyptischen Reitern, aber noch vor den weiteren noch viel dramatischeren Ereignissen, die Gemeinde bereits vor Gottes Thron. Von der Hochzeit des Lammes ist allerdings noch nicht die Rede. Dennoch scheint es sicher zu sein, dass es sich um die Braut Christi handelt, die Methaphern sprechen eine eindeutige Sprache. Wer sonst hat diese innige Beziehung zum Lamm das auf dem Thron sitzt.

 

Von da an kommt die Gemeinde auf Erden nicht mehr vor. Eigentlich auch schon nicht in Kap. 6. Es wird aber nirgends in der Offenbarung die Entrückung und ihr Zeitpunkt selbst erwähnt. Das alles heißt aber nicht, wie viele angenommen haben, dass die Entrückung schon vor dem Öffnen des ersten Siegels stattgefunden haben muss. Dass es nicht erwähnt ist, bedeutet nicht, dass es in dieser Zeit nicht sein kann, besonders wenn wir das Wort vom Kommen Christi wie ein Dieb in der Nacht berücksichtigen, wird uns klar, dass wir es zeitlich ganz einfach nicht lokalisieren können.

Eines aber wird deutlich, wenn die Hinwendung Gottes zu seinem Volk Israel stattfindet, wird sich auch die Vollendung und Entrückung der Gemeinde bereits ereignet haben. Ab da gilt, dass die Gläubigen in Sicherheit sind und nichts mehr zu befürchten haben. In Ewigkeit sind sie im Tempel Gottes geborgen und dienen ihm.