Sieben Schritte zur vollkommenen Liebe (Petrus)

Das Glaubensleben ist wie eine Schiffsreise, wir brechen auf, mit einer durchaus Hochsee-tauglichen Jacht. Aber das Wichtigste an einer Reise ist nicht das Schiff, sondern das Ziel, zu dem es uns bringen will. Was ist das Ziel und wie erreichen wir es. Petrus beschreibt uns sieben Stationen die wie Leuchttürme unsere Reise begleiten und dafür sorgen, dass wir das Ziel erreichen.

 

Stellen wir uns einmal vor, jemand schenkt uns ein Schiff, eine richtig komfortable hochseetüchtige Jacht und er gibt uns auch sonst noch alles, was wir für eine Seereise brauchen: Ausrüstung, Lebensmittel für mehrere Wochen und so weiter. Und nun gehen wir an Bord und sehen uns das ganze einmal an. Von oben bis unten, vom Bug bis zum Heck. Da wir technisch sehr begabt sind, haben wir schnell begriffen, wie das Schiff funktioniert und wir sind schon so heiß darauf es zu testen, dass wir sehr bald in See stechen.

Schnell haben wir uns von der Küste entfernt und befinden uns nun auf offenem Meer. Ringsum nichts als Wasser so weit das Auge reicht. Und eine faszinierende Stille und Einsamkeit umgibt uns bei strahlendem Wetter. Eine lang Zeit genießen wir diesen Zustand und sind glücklich.

Doch dann wird es natürlich auch mal langweilig, das Wetter hat vielleicht auch umgeschlagen und eigentlich wollen wir wieder unter Menschen. Doch da wird uns bewusst, dass wir keine Karten an Bord haben und dass wir auch sonst nichts von Navigation verstehen. Geographie war auch immer schon unsere Schwachstelle und so merken wir schnell, das wir ein Problem haben: Wie finden wir wieder zurück in einen sicheren Hafen? Unter Umständen kann es wochenlang dauern, bis wir mit unserem Schiff wieder Land in Sicht haben und wer weiß, wo wir dann landen? Zwar haben wir noch genügend Lebensmittel, dennoch ist uns die gute Laune bald vergangen. Wir sind aufgebrochen ohne ein Ziel, und nun irren wir umher, Wind und Wetter ausgesetzt und ohne Orientierung. Wir könnten wohl nur versuchen, uns mit Hilfe des Kompass in eine Richtung zu halten und so lange zu fahren, bis wir Land finden. Doch wie lange würde das dauern? Jedenfalls, wenn wir dann angekommen sind, werden wir sagen müssen: es war eine verlorene Zeit. Vielleicht ist uns die Lust auf‘s Seefahren dadurch so gründlich vergangen, dass wir es auch nie wieder versuchen würden.

Was war der Fehler? Wir sind aufgebrochen ohne Plan und Ziel. Wir haben die Reise angetreten, ohne überhaupt zu wissen wohin sie geht. Wir waren so fasziniert von dem Schiff und seiner Technik, dass wir vergaßen, dass es bei einer Schiffsreise gar nicht um das Schiff geht, sondern um das Ziel, das wir mit diesem Fahrzeug erreichen wollen. Hätten wir einen Kurs in Navigation besucht und uns ein wenig mit Karten beschäftigt, dann hätten wir sicherlich ein Ziel gefunden und auch einen Weg, wie wir dieses erreichen, auch auf hoher See, wo es ja keine Wegweiser gibt. Doch das haben wir versäumt und deshalb sind wir gescheitert.

Wie ist es mit unserem Leben? Was ist das Ziel unseres Lebens? Wer weiß wohin seine Reise geht? Wir sind doch alle ziemlich materialistisch aufgewachsen, in einer Welt in der alles erforscht ist. Für alles gibt es eine Gebrauchsanweisung. Wir wissen ganz genau, was wir sind und was wir haben und was wir wollen. Wir begeben uns auf die Reise des Lebens, bestens ausgestattet, und dann kommen wir darauf, dass wir eines nicht wissen, nämlich was wir sollen! Wir haben die Gebote Gottes, das »...du sollst!« abgewiesen und damit aber auch gleichzeitig unserer Reise den Sinn und das Ziel genommen. Wir wissen nicht mehr, wohin es geht und was am Ende dabei rauskommt.

Das Ziel unseres Glaubens

Aber auch wenn wir gläubig sind, stellt sich uns die Frage: Was ist denn eigentlich das Ziel unseres Glaubens? Wo soll denn die Reise hingehen und mit welchen Karten und Navigationsgeräten werden wir dieses Ziel erreichen? Denn hier ist ein Leben mit Glaube nicht viel anders als ein Leben ohne Glaube. Wenn wir nicht wissen wohin es geht, können wir genauso umherirren wir diejenigen die nicht glauben. Was ist aber das Ziel unseres Glauben? Das ist die Frage um die es heute geht und wir wollen dazu einen Bibeltext lesen: 1. Petrus 1. 3-9, vorerst aber nur die ersten beiden Verse.
(3) Alles was zum Leben und zur Frömmigkeit dient, hat uns seine göttliche Kraft geschenkt durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Kraft. (4) Durch sie sind uns die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt, damit ihr dadurch Anteil bekommt an der göttlichen Natur die ihr entronnen sein der verderblichen Begierde in der Welt.

1 Das Kapital des Glaubens

Da haben wir es also, unser High Tech Boot. Ist es nicht absolut cool? Alles ist da, was wir brauchen für eine lange Reise. Ich weiß nicht wieviele PS ein moderner Schiffsmotor heute hat, dieser hier hat auf jeden Fall mehr. Nicht irdische Kraft aus irgendwelchen materiellen Energiequellen steht uns zur Verfügung, nein, der Treibstoff unseres Glaubensmotors ist göttliche Kraft und die Energiequelle ist die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat, durch seine Herrlichkeit und Kraft.

War nicht schon der Anfang unseres Glaubenslebens gekennzeichnet von dieser Kraft? Hat er uns nicht schon damals seine Herrlichkeit gezeigt, indem er uns befreit hat von dem was uns schon immer belastet hat? Frei gemacht vom alten Leben mit seinem bösen Gewissen, durften wir an Bord kommen und standen ganz erstaunt vor diesem Wunderwerk des Geistes, nicht der Technik. Göttliche Natur! … und wir haben daran Anteil. Es gehört uns, es steht uns ganz und gar zur Verfügung, für unser Leben, es gibt nichts was fehlt, absolut nichts. Wie einst die Pilgerväter in See stachen um Europa mit seinen andauernden Kriegen und die bittere Armut zu verlassen, so könnten wir nun auch ablegen, die heimatlichen Gestade verlassen die uns nichts einbrachten und versuchen, die neue Welt zu erobern. Doch mancher zögert noch die vollen Segel zu setzen. Warum? Nun, vielleicht ist er nicht so dumm, dass er einfach loslegt; wohl wissend, dass es vorerst noch gilt, sich über das Ziel des Glaubenslebens Gedanken zu machen. Was soll denn da am Ende dabei rausschauen? Wo sollen wir ankommen? Und gibt es Zwischenziele oder Orientierungspunkte, damit wir uns nicht verirren?

Auch darüber gibt uns unser heutiger Text Auskunft, Wir lesen weiter Vers 5-7:
(5) So wendet alle Mühe daran und erweist in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis 6 und in der Erkenntnis Mäßigkeit und in der Mäßigkeit Geduld und in der Geduld Frömmigkeit (7) und in der Frömmigkeit brüderliche Liebe und in der brüderlichen Liebe die Liebe zu allen Menschen.

2 Das Ziel des Glaubenslebens

Diese beiden Verse erinnern mich ein wenig an diese russischen Puppen, wo eine in der anderen versteckt ist. Wenn man eine aufmacht, ist darin eine kleinere und die beinhaltet eine noch kleinere usw.
Nur was mich an dem Bild stört ist, dass es in unserem Fall eher immer um was Größeres geht. Es beginnt mit dem kleinsten und im kleinen steckt etwas das größer ist. Macht man diese Schachtel auf, ist darin eine noch größere. So geht es immer weiter, bis man zur größten kommt, der Liebe zu allen Menschen, wie hier geschrieben steht. So haben wir also in dieser Kausalkette eine konkrete Ziel¬vorgabe für unseren Glauben. Ein Navigationsinstrument für unsere Schiffsreise, das uns schließlich ans sichere Ziel bringen will: der Liebe zu allen Menschen. Das was Petrus hier in seinem Brief schreibt, hatte auch Paulus schon gesagt, wenn auch mit weniger Worten. Es ging damals um eine Stellungnahme zu dem leidigen Thema, das damals die Gemeinden bewegte, ob nämlich die jüdische Beschneidung für Christen eine Bedeutung hätte. Darauf antwortet Paulus in Galater 5.6: Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.

Dieser Vers nennt ebenso wie unser Text den Glauben als Ursprung und die Liebe als Ziel unserer Kraft die wir von Gott erhalten haben. Nur dass Petrus etwas näher darauf eingeht und uns auch die Zwischenstufen nennt. Es scheint doch sonst so, als ob alles andere keine Bedeutung hätte. Als wäre der Spannungsbogen zwischen Glaube und Liebe so leicht zu erhalten. »Du musst nur glauben« und »du musst einfach lieben«, das können doch auch recht einfache Floskeln sein, mit denen man Menschen in Krisenzeiten unbarmherzig behandeln kann, als ob das immer so einfach wäre. Doch Petrus zeigt uns da, dass in diesem eingeschlossen auch noch andere Dinge wichtig sind und uns zur Orientierung und Verwirklichung unseres Zieles dienen können, gerade so wie Leuchttürme auf hoher See.

2.1 Der Glaube als Ursprung

Gehen wir doch nun einmal im Einzelnen auf diese Dinge ein. Es beginnt mit dem Glauben – der äußeren Hülle, wie es scheint. Dennoch ist diese Verpackung kleiner als das was in ihr drin ist. Jesus hat einmal gesagt:
… wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe dich weg von hier dorthin! und er wird sich hinweg heben. Und nichts wird euch unmöglich sein. (Math. 17.21) Also hier ganz klar das Prinzip: kleine Ursache, große Wirkung!

Es war ein großes Missverständnis der Reformation, dass die Wiederentdeckung der Glaubensgerechtigkeit durch Martin Luther, also das: »...Abraham glaubte und es wurde ihm gerechnet zur Gerechtigkeit«, immer wieder umgedeutet wurde, so als ob es eben nur um die Rechtfertigung ginge, um das Tilgen der Schuld und der Glaube nicht auch noch praktische Wirkung zeigen sollte. »Aus Glauben, nicht aus Werken werden wir gerecht«, heißt es. Doch dann finden wir plötzlich im Jakobusbrief die kritische Anfrage: »zeige mir Deinen Glauben und ich zeige dir meine Werke, denn ohne Werke ist der Glaube tot.«

Ich denke, dass sich dieses Missverständnis aufklärt, wenn wir das so sehen, wie es auch hier im Petrusbrief steht: Der Glaube der selig macht, hat Wirkungen in sich, die danach verlangen entfaltet zu werden. Nur so hat er wirklich einen Sinn. Biblischer Glaube ist teleologisch. Telos heißt das Ziel. Er ist also auf ein Ziel gerichtet.

2.2 In dem Glauben die Tugend:

Das erste Zwischenziel ist Tugend. Was ist das für ein merkwürdiges Wort? Verstehen wir das überhaupt noch? Ich habe einen Übersetzungsvergleich gemacht, bei diesem und auch allen weiteren Begriffen, damit wir der Sache wirklich auf den Grund gehen. Übersetzungsvergleiche sind deshalb so aufschlussreich, weil sie uns zeigen, wie die Übersetzer der Bibel, denen ich alle unterstelle, dass sie sehr gewissenhaft arbeiten, doch darum ringen, den richtigen Ausdruck zu finden, der dem entspricht was die Menschen heute unter einem bestimmten griechischen Begriff verstehen. Dass nun dies ein Begriff ist, bei dem das besonders schwer ist, zeigen uns die verschiedenen Übersetzungen, die zum Teil schon Umschreibungen sind, weil der Begriff Tugend eben von vielen Menschen nicht mehr richtig verstanden wird: Tugend, vorbildlicher Lebenswandel, sittliche Bewährung.

Um zu sehen, ob die Umschreibungen eine befriedigende Lösung sind, wollen wir auch in einer griechischen Worterklärung nachsehen, die ich meinem Online Bibelprogramm entnommen habe. Das grich. Wort heißt »arete« und kommt von dem Eigenschaftswort »ares«, das heißt tüchtig. Die Tugend ist nun jede Art von wertvoller Eigenschaft in Charakter oder Verhalten des Menschen. Das heißt, dass der Glaube in erster Linie charakterformend ist. Eine Veränderung muss sichtbar werden, gleich als erste Auswirkung des Glaubens. Als ich gläubig wurde, merkte meine Umgebung das sofort. Sie nahmen mich zwar noch nicht wirklich ernst, denn sie dachten, das wäre nur vorübergehend. Ich hatte auch noch nicht genügend Erkenntnis, um ihnen zu erklären, was mit mir geschehen war. Doch ich war vom Moment an bestrebt, das Richtige zu tun und wußte, dass ich nicht mehr so leben kann wie früher, als es für mich keine Tugend gab, sondern alles nur einem sinn- und wertlosen Lebenswandel auf rein materieller Basis entsprach und ich völlig meinen Süchten und Trieben verhaftet war. Dabei stand, eben weil ich noch nicht viel verstand, in diesen Anfangstagen meines Glaubens der Gehorsam im Vordergrund. Doch das änderte sich bald, als eine neue Wirkung des Glaubens dazu kam:

2.3. In der Tugend die Erkenntnis

Die Erkenntnis ist ein wesentlicher Teil des Glaubenslebens. Was heißt aber Erkenntnis?
Wenden wir uns wieder dem Übersetzungsvergleich zu: da merken wir, dass diesmal die Unterschiede nicht so krass sind. nur die »Hoffnung für alle« umschreibt wieder mit: »jeder soll sehen, dass ihr Gott kennt.« Da scheint mir schon ein wenig Auslegung mitverpackt worden zu sein. Aber sonst ist nur mehr die »Neues Leben Übersetzung« abweichend, die eine »tiefere Erkenntnis« veranschlagt, also nicht das, was man gemeinhin als, „nur etwas mit dem Verstand begriffen zu haben“, meint.

Das griechische Wort scheint dies auch tatsächlich so zu bestätigen. Das Wort »Gnosis« bedeutet nicht nur Wissen, sondern es geht dabei auch um ein intuitives Erfassen geistlicher Wahrheiten. Einsicht gewinnen, nicht nur in Zusammenhänge, sondern auch im Bezug auf die Herrlichkeit und die Ausstrahlung eine hochgestellte Persönlichkeit, etwa des Kaisers. Das kann mit diesem Wort gemeint sein. Aus biblischer Sicht bedeutet das natürlich die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes selbst und seines Sohnes Jesus Christus.

Zusammengenommen mit dem vorhin Gesagten können wir davon ausgehen, dass es sich um ein tieferes geistliches verstehen der Vorgänge im Reich Gottes handelt, das es uns ermöglicht das Richtige zu tun und das Falsche bleiben zu lassen. Auch wenn ich mich schon am Anfang meines Glaubenslebens veränderte, so kam doch die eigentliche grundlegende Veränderung meines Lebens erst nachher, als ich erkannt hatte, was der Wille Gottes ist. Manches, was ich nur übernommen hatte, ließ ich wieder fallen, anderes dagegen erkannte ich selbst und hielt umso eifriger daran fest, denn ich konnte dank meiner Erkenntnis nun auch begründen, warum ich etwas tat oder nicht tat.

Ich muss aber auch gestehen, das ich nicht immer sofort alles tat, was ich erkannte. Aber dann nagte es in mir. Ich lebte so, doch meine Erkenntnis sagte mir, dass ich eigentlich anders leben sollte. Es ging mir schlecht, bis ich Busse tat und mich neu nach dem ausrichtete, was ich als Willen Gottes erkannt hatte. Denn kein Mensch kann wirklich dauerhaft gegen seine inneren Überzeugungen leben; schließlich muss man sich ja jeden morgen in den Spiegel sehen. So ist es die Erkenntnis, die uns tiefer in die Heiligung treibt. Wenn wir das nicht zulassen, dann verlieren wir unseren Glauben wieder – wenn wir das Erkannte verwerfen um wieder zu leben wie früher.

Mir jedenfalls hat jede Neuausrichtung im Glaubensleben gut getan. Das Leben gewann wieder an Kraft und Freude. Wenn Du in Deiner Erkenntnis weiter bist als in Deinem Wandel, dann möchte ich Dich dazu auffordern, heute darüber nachzudenken, wie lange es noch so sein soll. Ob es nicht an der Zeit ist, den nächsten Schritt zu tun in Richtung auf das Ziel zu.

2.4. In der Erkenntnis Mäßigkeit

Das von Luther gebrauchte Wort „Mäßigkeit“ ist nicht sehr aussagekräftig, denn es geht hier nicht darum, dass wir einfach nur ein wenig zurückstecken, nach dem Motto: »nur nichts übertreiben!« Die anderen Übersetzer haben hauptsächlich mit Selbstbeherrschung übersetzt. Nur die Rev. Elberfelder hat Enthaltsamkeit, was mir wieder zu materialistisch klingt. Denn es geht um mehr, das zeigt auch wieder ein Blick in das altgriechisches Wörterbuch:

Das Wort »Egrateia« hat einen sehr sportlichen Charakter. Es bedeutet durch Ausdauer eine Sache zu meistern. Es kann aber auch Abhärtung gegen etwas heißen. Oder auch die bereits erwähnten Begriffe Enthaltsamkeit und Selbstbeherrschung. Eigentlich könnte man es auch mit Disziplin übersetzen. Das englische Wort für Jünger heißt Disciples, also ein Disziplinierter, aber natürlich nicht im Sinne von Bestrafung. Heute ist dies ja auch schon wieder ein Unwort geworden. Aber worum es eigentlich geht ist die Selbstkontrolle über seine Lüste und Leidenschaften zu haben, ganz gleich ob es sich um sexuelle Lust handelt, oder um irgendwelche anderen Süchte oder, was vielleicht viel häufiger vorkommt, um emotionale Unkontrolliertheiten. Also vielleicht ist ja Selbstbeherrschung wirklich noch die treffendste Übersetzung.

In dieser Phase wird uns natürlich bewußt, dass es nicht leicht ist. Denn wie Paulus schon sagte: »das Fleisch streitet gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch«. Das heißt doch: Erkenntnis zu haben garantiert noch nicht, dass ich auch ihr gemäß leben kann oder will. Dazu braucht es eben die Disziplin oder Selbstbeherrschung. Ohne diese Kontrolle der Leidenschaften bleibt auch das geistliche Leben auf der Strecke. Diese schmerzhafte Erfahrung habe ich selbst gemacht und auch bei vielen anderen immer wieder beobachtet.

2.5. In der Mäßigkeit Geduld

Nichts desto trotz ist es möglich zur Selbstbeherrschung zu gelangen und man möchte meinen, dass wer sie hat, der hat auch Geduld – das sind ja fast Synonyme. Aber es ist doch nicht ganz so. Denn der Übersetzungsvergleich zeigt es ja schon an, dass es sich wieder um ein schwierigeres Wort handelt, bei dem sich die Übersetzung nicht ganz einig waren, welches deutsche Wort sie nehmen sollten: Ausharren, Ausdauer, Standhaftigkeit oder eben Geduld.

Das griechische »Hupomone« meint nämlich jene Geduld, die mit der Überwindung des Leidens durch Ausharren verbunden ist. Es geht dabei zum einen sicherlich um jenen Leidensdruck, der sich infolge der inneren Auseinandersetzung mit unserer fleischlichen Schwachheit und unserer, immer ein Stück weit vorrauseilenden Erkenntnis einhergeht. Die Tatsache dass wir darunter leiden, zeigt uns auch, das wir weiterkommen wollen und wir werden dies auch, aber wir brauchen Geduld. Wir würden viel lieber gleich in einem Aufguss die Vollkommenheit haben wollen und manchesmal verstehen wir es überhaupt nicht, warum wir das nicht können, doch es wird uns eben alles nur nach dem Maß der Gnade Gottes zuteil.

Zum Anderen gilt dieses Wort aber auch noch in einem andern Zusammenhang: Als Jesus von dem Wiederstand sprach, der uns von seiten der Welt engegengebracht wird, wenn wir ihn bezeugen, sagte er (Matth. 10:22): »gewinnet Eure Seelen durch euer standhaftes Ausharren.« In Zeiten der Verfolgung heißte es also auch Geduld zu haben, Jesus hat hier denselben griechischen Begriff verwendet und er ist auch wieder auf Leiden bezogen, diesmal aber durch Druck von aussen.

2.6 In der Geduld Frömmigkeit.

Schon wieder so ein antiquiertes Wort, mögen einige denken. Gut, schauen wir uns wieder die anderen Übersetzungen an, weil es wirklich wichtig ist, zu verstehen worum es geht. Die rev. Elberfelder sagt Gottseligkeit und in der Fußnote Gottesfurcht. Und Hoffnung für Alle sowie Neues Leben ÜS nehmen wieder bei einer Umschreibung Zuflucht, die aber nicht sehr überzeugend ausfällt. Gute Nachricht und Einheitsübersetzung bleiben bei Frömmigkeit.

Das griechische Wort heißt »Eusebeia« und wird erklärt mit: »Gottesfurcht, die gegenüber Gott ausgeübte praktische Frömmigkeit.« Aha, nun wissen wir schon, dass es um etwas Praktisches geht, um etwas was man ausübt. Das kann also nicht jene Frömmigkeit sein, die wir in unserem Kulturkreis verstehen: ... so mit verklärten Blick und seltsamen Redewendungen... . Nein, Frömmigkeit im biblischen Sinn ist einfach nur das angemessene Verhalten gegenüber Gott in Wort und Wandel. Ein Leben das authentisch ist, sollte man sagen, in dem das Bekenntnis auch mit dem übereinstimmt, was man tut. Im Heidentum war damit eigentlich die kultische Verehrung des Götzen gemeint, das Darbringen der Opfergaben. Doch schon im Judentum galt, dass ein Opfer sinnlos ist, ja Gott ein Greuel, wenn das Leben nicht gekennzeichnet war von Tugend und Gerechtigkeit.

Erst recht war das dann im Christentum so, als ja die Opfer ganz wegfielen, weil Jesus das Opfer für uns ein für allemal dargebracht hat. Nun heißt fromm sein ganz einfach gerecht dem Evangelium gemäß leben. Auf alles andere legt Gott viel weniger Wert als wir manchesmal denken. Vielleicht könnte man noch Anbetung mit hineinnehmen in diesen Begriff, aber darauf will ich heute nicht weiter eingehen. Nur so viel: das Opfer des Lobpreises ist auch keine Ausnahme, es verlangt wie jede Opfer nach einem ethisch authentischen Lebenswandel.

Waren dies alles nun noch die Zwischenstationen auf dem Weg zum Ziel, so nähern wir uns nun diesem mit Riesenschritten wenn wir angelangt sind bei der Bruderliebe.

2.7 In der Frömmigkeit die Bruderliebe

Bruderliebe, das verstehen wir wieder! Wir wissen natürlich auch, dass dies nicht wörtlich zu nehmen ist, sondern dass damit Glaubensgeschwister gemeint sind und natürlich nicht nur männlichen, sondern auch weiblichen Geschlechtes. Auch wenn wir von der Schwesternliebe in der Bibel nichts lesen, dürfen wir sicher sein, dass dieses Wort Geschlechtsneutral gemeint ist. Die Umschreibungen mancher Übersetzungen kann man trotzdem akzeptieren, auch wenn sie meiner Meinung nach eigentlich überflüssig sind.

Schon in Griechenland galt zwar dieses Wort »Philadelphia« nur für die Liebe unter Geschwistern, oder Verwandten im weiteren Sinne, aber die Christen gebrauchten es von Anfang an, um damit die gegenseitige Zuneigung zu beschreiben die sie empfanden, wenn sie sich trafen; und wohl auch die Verpflichtung, die damit verbunden ist, denn seinen Bruder zu lieben war selbstverständlich eine Pflicht. Der Familiensinn der Antike war bedeutend größer als unserer heute. Die Familie war ein Ganzes, das wichtiger war als der Einzelne. Der Familienverband konnte auch nur dann überleben, wenn diese Solidarität der Liebe hochgehalten wurde.

So erlebten auch die ersten Christen, dieses »aufeinander angewiesen sein«. Und sie bemühten sich um diese Liebe, sodass die Gemeinschaft jedem wichtiger war als das eigene Leben. Wir sind heute weitgehend Kinder einer postmodernen Gesellschaft und als solche haben wir alle einen ausgeprägten Hang zum Individualismus und zu autonomen Handeln. Das war damals nicht so. Und ich denke, dass Gott es zulassen wird, dass die Zeiten wieder schlechter werden. Denn dann werden wir auch wieder nach der Solidargemeinschaft in Familie und Gemeinde verlangen und diese natürliche Liebe, die Philadelphia kann wieder zunehmen. Wenn das nicht geschieht, bedeutet dies das Ende unserer Zivilisation.

Doch so angenehm Philadelphia, die Bruderliebe war, die Gemeinde wusste auch noch um ein Höheres. Philadelphia war eigentlich nur das Training für eine weit höhere Berufung der Gläubigen und zwar für das eigentliche Ziel.

2.8 In der Bruderliebe die Liebe zu allen Menschen.

Was ist damit nun gemeint, mit diesem letzten Begriff, der nun das Ziel des Glaubens darstellt? Der Übersetzungsvergleich ist wieder wenig aufschlussreich. Liebe zu allen Menschen ist nur eine Umschreibung von Luther, der sich nicht alle anschließen. Viele übersetzen nur mit Liebe, obwohl dies natürlich keinerlei Steigerung gegenüber Bruderliebe impliziert.
Warum tun sich die Übersetzer nun hier wieder so schwer? Ganz einfach, weil es kein deutsches Wort gibt, das dem griechischen auch nur annähernd entspricht.

»Agape« ist nämlich die höchste Form der Liebe, die göttliche Liebe. Jene Liebe die keine Gegenliebe sucht. Deshalb ist die Umschreibung „Liebe zu allen Menschen“ auch wieder nicht so falsch. Da ich aber nicht wirklich alle Menschen kenne, wertet das die Aussage eher ab. Denn wenn ich sie nicht kenne ist es allemal leichter sie zu lieben, als wenn ich sie kennen lerne, wie sie wirklich sind. Nein, solch eine unverbindliche allgemeine Weltliebe ist damit nicht gemeint. Mit dieser Agape-Liebe bin ich aber in der Lage alle Menschen zu lieben, selbst dann wenn ich sie von ihrer schlechtesten Seite kennen gelernt habe. Das ist die Liebe, die Jesus hatte, als er am Kreuz für seine Mörder und Peiniger betete: »Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.«

Das ist die göttliche Liebe, die das Ziel unseres Glaubens ist. Diese Liebe ist es auch, die sich im barmherzigen Samariter zeigte. Denn »Philadelphia« (Bruderliebe) war es nicht, was ihn bewegte. Der Jude war ja nicht sein Bruder, er war eigentlich sein Feind. Doch er rettete ihn in der Liebe die man nur mit Agape bezeichnen kann, die höchste Form der Liebe.

 

3 Erfolg und Misserfolg

Wir haben nun in 7 Schritten gesehen, wie der Glaube sein höchstes Ziel erreicht. Eines in das andere eingefügt. Wie ein geheimnisvolles Geschenk, das man auspackt und der Inhalt enthält jeweils ein noch wertvolleres Geschenk. Das Innerste aber ist das Wertvollste. Es ist ein Juwel mit starker Leuchtkraft, das durch alle anderen Hüllen hindurch ausstrahlt in eine verlorene Welt, die von Gott geliebt wird. Wenn wir diese Liebe haben und leuchten lassen, dann haben wir alles getan und das Ziel unseres Glaubens erreicht.

Wie Petrus am Schluss dieses Abschnittes schreibt:
(8) Denn wenn dies alles reichlich bei euch ist, wird’s euch nicht faul und unfruchtbar sein lassen in der Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus. (9) Wer dies aber nicht hat, der ist blind und tappt im Dunkeln und hat vergessen, dass er rein geworden ist von seinen früheren Sünden

diese sieben Schritte entscheiden über Erfolg oder Misserfolg unseres Glaubensleben. Denk darüber nach und prüfe Dich selbst. Wo stehst Du? Und wo willst Du hingelangen? Ich wollte mit dieser Predigt ermutigen, zu kämpfen. Es ist normal, dass wir das Ziel nicht sofort erreichen. Aber es ist auch normal, dass wir es doch erreichen. Es kommt nur darauf an, ob wir uns der Glaubenswirklichkeit stellen und auf das Ziel zusteuern, oder ob wir mit dem Schiff nur so ein wenig herumgondeln. Tu das nicht, die Gefahr sich zu verirren und Schiffbruch zu erleiden ist zu groß.

Amen!